Text: Hermann Kletke, 1841 in «Phantasus. Ein Kinderbuch» · Melodie: Volksweise, um 1830 · gemeinfrei
wie glänzt er festlich, lieb und mild,
als spräch er: Wollt in mir erkennen
getreuer Hoffnung stilles Bild. Die Kinder stehn mit hellen Blicken,
das Auge lacht, es lacht das Herz;
o fröhlich, seliges Entzücken!
Die Alten schauen himmelwärts. Zwei Engel sind hereingetreten,
kein Auge hat sie kommen sehn;
sie gehn zum Weihnachtstisch und beten
und wenden wieder sich und gehn: «Zu guten Menschen, die sich lieben,
schickt uns der Herr als Boten aus,
und seid ihr treu und fromm geblieben,
wir treten wieder in dies Haus!»
Es ist kein Lied, es ist ein Segen
Wer nur die ersten beiden Strophen kennt – und das sind die meisten – hält es für ein Stimmungsbild: Kerzen, glänzende Kinderaugen, gerührte Grosseltern. Die dritte und vierte Strophe drehen das um. Da kommen zwei Engel in die Stube, ungesehen, sprechen einen Segen über das Haus und gehen wieder. Das Gedicht hiess bei seinem Erscheinen deshalb auch nicht «Am Weihnachtsbaum», sondern schlicht «Weihnachtsspruch».
Und der Segen ist an eine Bedingung geknüpft, die man leicht überhört: «zu guten Menschen, die sich lieben» kommen die Boten – und wiederkommen werden sie nur, «seid ihr treu und fromm geblieben». Das ist kein Kinderlied-Kitsch, das ist eine höfliche Mahnung, verpackt in vier Zeilen.
Woher es kommt
Hermann Kletke, Redaktor und Dichter in Berlin, veröffentlichte den Text 1841 in seinem Band «Phantasus. Ein Kinderbuch». Die Melodie ist älter als der Text – sie wird auf etwa 1830 datiert, wer sie geschrieben hat, ist nicht überliefert.
Gesungen wird das Lied für den einen Augenblick, in dem die Stubentür aufgeht und der geschmückte Christbaum zum ersten Mal in vollem Licht dasteht – früher mit echten Kerzen, heute meist elektrisch, der Zauber ist derselbe geblieben. Wer den Moment ausdehnen will, singt alle vier Strophen: Dann steht die Familie so lange vor dem Baum, bis der Segen gesprochen ist.
Weitere Lieder mit vollständigem Text stehen in der Liedersammlung.
Häufige Fragen
Wer hat «Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen» geschrieben?
Der Berliner Redaktor und Dichter Hermann Kletke, 1841. Die Melodie ist eine Volksweise; das Lied ist gemeinfrei.
Wann singt man das Lied am besten?
Direkt beim Entzünden der Baumkerzen am Heiligen Abend – es beschreibt genau diesen Moment.
Wie viele Strophen hat das Lied?
Vier. Kletkes Gedicht «Weihnachtsspruch» von 1841 hat genau diese vier; gesungen werden meist nur die ersten beiden.
Worum geht es in den letzten beiden Strophen?
Zwei Engel kommen ungesehen in die Stube, sprechen einen Segen über das Haus und gehen wieder. Wiederkommen wollen sie nur, wenn die Bewohner «treu und fromm geblieben» sind.
Ist die Melodie auch von Kletke?
Nein. Der Text ist von 1841, die Melodie ist älter und wird auf etwa 1830 datiert; der Komponist ist nicht überliefert.
Stand: 30. August 2026
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