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Englische Weihnachtslieder

Ein Carol war ursprünglich ein Tanzlied. Das hört man den meisten bis heute an – und es erklärt, warum sie so viel schwungvoller sind als unsere Choräle.

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«Carol» kommt von einem alten Wort für einen Reigentanz. Erst später wurden daraus Weihnachtslieder, und richtig populär wurden sie im 19. Jahrhundert, als Sammler die alten Melodien aufschrieben und Verlage sie druckten. Die meisten der heute bekannten Carols stammen aus dieser Zeit oder wurden damals wiederentdeckt.

The First Noel

Ein Volkslied aus Cornwall, erstmals 1823 und 1833 gedruckt. Die Melodie ist ungewöhnlich: Sie wiederholt in jeder Zeile fast dieselbe Tonfolge, nur eine Stufe versetzt – ein Hinweis darauf, dass sie mündlich weitergegeben wurde. Der Text erzählt die Hirten auf dem Feld und die Weisen, die dem Stern folgen. Der bis heute übliche Chorsatz stammt von John Stainer, 1871.

Hark! The Herald Angels Sing

Der Text stammt von Charles Wesley aus dem Jahr 1739, die Melodie von Felix Mendelssohn Bartholdy – und zwar aus einem Stück, das mit Weihnachten nichts zu tun hatte: einer Festkantate von 1840 zum Buchdruck-Jubiläum. Erst 1855 setzte ein englischer Organist Text und Melodie zusammen. Wesley selbst hatte sich das ganz anders vorgestellt; er wollte eine langsame, feierliche Weise.

God Rest You Merry, Gentlemen

Eines der ältesten englischen Carols, überliefert seit dem 17. Jahrhundert, gedruckt 1833. Das Komma sitzt an einer viel diskutierten Stelle: «rest you merry» heißt altenglisch so viel wie «bleibt guter Dinge» – nicht «ruht, ihr fröhlichen Herren». Es ist einer der wenigen Carols in Moll.

Deck the Halls

Die Melodie ist walisisch und heißt «Nos Galan», ein Neujahrslied, gedruckt 1794. Der englische Text kam 1862 von Thomas Oliphant dazu. Von Weihnachten im engeren Sinn handelt er nicht: Es geht um Stechpalmenzweige, Feuer, Musik und ein volles Haus.

O Holy Night

Ursprünglich französisch: «Cantique de Noël», Text von Placide Cappeau, Musik von Adolphe Adam, geschrieben 1847. Die englische Fassung stammt von John Sullivan Dwight, 1855. Das Lied ist berüchtigt schwer zu singen – der Höhepunkt liegt für die meisten Stimmen unbequem hoch. Genau das macht es zum Solostück.

Good King Wenceslas

1853 von John Mason Neale geschrieben, auf eine Frühlingsmelodie aus einer finnisch-schwedischen Sammlung von 1582. Erzählt wird nicht die Weihnachtsgeschichte, sondern eine Legende vom böhmischen Herzog Wenzel, der am Stephanstag einem armen Mann Holz und Essen bringt – und dessen Diener in seinen Fußstapfen warm bleibt.

Und «Carol of the Bells»?

Die Melodie ist ukrainisch: «Schtschedryk», gesetzt von Mykola Leontowytsch, uraufgeführt 1916 in Kyjiw. Ursprünglich ist es kein Weihnachtslied, sondern ein Neujahrslied über eine Schwalbe, die Glück ins Haus bringt. Der englische Text von 1936 ist deutlich jünger und noch urheberrechtlich geschützt – deshalb steht er hier nicht.

Zum Mitsingen

Die drei englischen Klassiker, die bei uns am ehesten mitgesungen werden, haben eigene Seiten: Jingle Bells, Silent Night und We Wish You a Merry Christmas. Die deutschen Klassiker stehen bei den Weihnachtsliedern.

Häufige Fragen

Was bedeutet «Carol» eigentlich?

Das Wort kommt von einem alten Ausdruck für einen Reigentanz. Ursprünglich waren Carols Tanzlieder; erst später wurden daraus Weihnachtslieder. Das erklärt, warum viele von ihnen so schwungvoll sind.

Welches ist das älteste englische Weihnachtslied?

Zu den ältesten gehört «God Rest You Merry, Gentlemen», überliefert seit dem 17. Jahrhundert. «The First Noel» geht auf ein Volkslied aus Cornwall zurück, wurde aber erst 1823 gedruckt.

Stammt die Melodie von «Hark! The Herald Angels Sing» wirklich von Mendelssohn?

Ja, aber nicht als Weihnachtsmusik: Sie stammt aus einer Festkantate von 1840 zum Buchdruck-Jubiläum. Erst 1855 setzte ein englischer Organist Wesleys Text von 1739 darauf.

Ist «Carol of the Bells» ein Weihnachtslied?

Ursprünglich nicht. Die Melodie ist das ukrainische Neujahrslied «Schtschedryk», gesetzt von Mykola Leontowytsch und 1916 in Kyjiw uraufgeführt. Es handelt von einer Schwalbe, die Glück ins Haus bringt.

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