Warum die Frage überhaupt kommt
Zwischen vier und acht Jahren beginnen Kinder, Erzähltes zu prüfen. Der Anstoß kommt selten von innen: Ein Kind im Kindergarten hat es «genau gewusst», ein älteres Geschwister hat gefeixt, oder jemandem ist aufgefallen, dass das Geschenkpapier dasselbe ist wie im Dachboden. Die Frage ist damit kein Angriff auf die Weihnacht, sondern ein Denkfortschritt. Wer sie so hört, gerät nicht in Panik.
Wichtig ist der Unterschied zwischen zwei Fragen, die gleich klingen. «Gibt es den Weihnachtsmann?» heißt manchmal «Bitte sag mir, dass es stimmt.» Und manchmal heißt es «Ich habe es durchschaut – gehöre ich jetzt zu den Großen?» Welche der beiden gemeint ist, verrät der Ton und das Alter. Am einfachsten findet man es heraus, indem man zurückfragt: «Was denkst du denn?»
Vier Antworten, die sich bewährt haben
1. Die Gegenfrage. «Was glaubst du?» Sie kauft Zeit, und erstaunlich oft beantwortet das Kind sich die Frage selbst – in der Fassung, die es gerade braucht. Ein Vierjähriger sagt dann meist «Ich glaub schon», ein Achtjähriger grinst.
2. Die Geschichte hinter der Figur. Es gab ihn wirklich: Der Nikolaus von Myra hat vor rund 1700 Jahren gelebt und heimlich geholfen, wo Not war. Aus ihm ist über die Jahrhunderte Weihnachtsmann geworden. Diese Antwort ist wahr, sie ist erzählbar, und sie macht aus dem Zauber keinen Schwindel – sie erklärt ihn.
3. Der Auftrag. «Weihnachtsmann kann nicht überall gleichzeitig sein. Darum helfen ihm ganz viele Menschen. Wer das weiß, gehört dazu – und Leute, die dazugehören, verraten es den Kleinen nicht.» Aus dem Ende eines Glaubens wird so der Anfang einer Aufgabe. Für Erstklässler mit jüngeren Geschwistern ist das die beste Variante überhaupt.
4. Die Wahrheit, wenn das Kind sie wirklich will. Fragt ein Kind ernsthaft, mehrfach und mit dem Blick, der keine Ausweichmanöver mehr duldet, dann hat es die Wahrheit verdient. Sie darf warm ausfallen: «Nein, es ist kein Mann, der durch den Kamin steigt. Weihnachtsmann ist etwas, das wir zusammen machen – und das ist mindestens so schön.» Kinder verzeihen die Auflösung fast immer. Was sie nicht verzeihen, ist Ausgelachtwerden.
Was man besser nicht sagt
- «Wenn du nicht daran glaubst, bekommst du nichts.» Das koppelt Zuneigung an Gehorsam – und funktioniert genau ein Jahr lang.
- Eine immer neue Notlüge. Je aufwendiger das Lügengebäude, desto größer der Krach, wenn es einstürzt. Eine gute Geschichte hält, eine schlechte Ausrede nicht.
- «Das ist doch Quatsch.» Wer den Zauber wegwischt, nimmt einem Kind etwas weg, ohne ihm etwas zu geben.
Wenn es vorbei ist
Der Moment kommt, und er ist selten dramatisch. Was hilft: dem Kind sagen, wie alt man selbst war, als man es gemerkt hat. Erzählen, was man damals gedacht hat. Und dann sofort die nächste Rolle anbieten – Geschenke verstecken, das Christkindsglöckchen läuten, für kleinere Cousinen den Brief vom Weihnachtsmann mit aufsetzen. Fast alle Kinder wechseln mit sichtbarem Stolz die Seite. Der Zauber geht dabei nicht verloren; er wechselt nur den Besitzer.
Und ganz nebenbei: Die Frage stellt sich in Deutschland in jeder Familie anders. Wer wissen will, warum bei den Nachbarn eine andere Figur kommt, findet das unter Christkind oder Weihnachtsmann erklärt.
Häufige Fragen
In welchem Alter merken Kinder es meistens?
Die meisten Kinder beginnen zwischen fünf und acht Jahren zu zweifeln und wissen es mit acht bis zehn sicher. Das schwankt stark – Geschwister und Gspänli beschleunigen es deutlich.
Soll man lügen, wenn ein Kind direkt fragt?
Nötig ist es nicht. Die Gegenfrage «Was denkst du?», die wahre Geschichte des Nikolaus von Myra und der Satz «Wir alle helfen ihm» sind ehrlich und lassen dem Kind trotzdem seinen Zauber.
Was tun, wenn das große Kind es dem kleinen verrät?
Am besten kommt man zuvor: Wer es weiß, wird eingeweiht statt ausgeschlossen – mit einer eigenen Aufgabe. Aus dem Verräter wird so ein Mitwisser, und Mitwisser schweigen gern.
Nimmt man Kindern mit dem Glauben nicht etwas weg?
Untersuchungen zum Thema zeigen eher das Gegenteil: Kinder erleben das Aufdecken meist als Erfolg des eigenen Denkens, nicht als Verlust. Verletzend ist nicht die Wahrheit, sondern Spott.
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Und wenn die Antwort persönlich wäre?
Die Postfilialen antworten mit einem vorgedruckten Brief für alle Kinder – schön, aber eben für alle gleich. Zauberpost macht das andere: der Weihnachtsmann spricht in einer Videobotschaft dein Kind mit Namen an, nennt, was es dieses Jahr erlebt hat, und antwortet auf das, was im Brief stand. Dazu ein gesiegelter Brief auf Papier und ein gravierter Holzanhänger, der das Video am Weihnachtsbaum wieder abspielt.
So funktioniert die Zauberpost