Nach den Brüdern Grimm · frei nacherzählt
Ein Schuster war so arm geworden, dass ihm nur noch Leder für ein einziges Paar Schuhe blieb. Am Abend schnitt er es zu und legte es auf den Tisch – nähen wollte er am Morgen. Doch als er aufwachte, standen die Schuhe fertig da, so fein genäht, wie er es selbst nie gekonnt hätte. Ein Kunde zahlte dafür mehr als üblich, und der Schuster konnte Leder für zwei Paare kaufen.
Und wieder geschah es: Abends lag das Leder da, morgens standen die Schuhe fertig. So ging es fort, bis der Schuster wieder ein angesehener Mann war. Kurz vor Weihnachten sagte seine Frau: «Wir sollten doch einmal nachsehen, wer uns so treu hilft.» Sie ließen ein Licht brennen und versteckten sich hinter den Mänteln.
Um Mitternacht kamen zwei winzige, nackte Männlein herein, setzten sich an den Tisch und nähten, hämmerten und stachen so flink, dass der Schuster den Augen kaum trauen konnte. Da sagte die Frau: «Die zwei frieren ja! Ich nähe ihnen Hemdchen, Rock und Höslein, und du machst ihnen jedem ein Paar Schühlein.» Am nächsten Abend legten sie statt des Leders die Geschenke hin. Die Wichtelmänner staunten, zogen alles an, tanzten vor Freude durch die Werkstatt und zur Tür hinaus. Sie kamen nie wieder – aber dem Schuster ging es gut bis an sein Lebensende.
Die Urgeschichte aller Weihnachtswichtel
Heimliche Helfer, die nachts Gutes tun und kein Dankeschön erwarten: Aus diesem Märchen stammt die ganze Wichtel-Idee – bis zur modernen Wichteltür im Kinderzimmer. Schön nach dem Vorlesen: gemeinsam überlegen, wem man diese Woche heimlich etwas Gutes tun könnte, ohne erwischt zu werden.
Häufige Fragen
Für welches Alter passt das Märchen?
Ab etwa vier Jahren – es gibt keine bedrohliche Stelle, und die tanzenden Wichtel am Ende sind ein Fest für kleine Zuhörer.
Warum kommen die Wichtelmänner am Ende nicht mehr?
Das Märchen lässt es offen – ihre Arbeit ist getan, und beschenkt zieht es sie weiter. Eine schöne Deutung: Wer wieder auf eigenen Beinen steht, braucht keine heimlichen Helfer mehr.
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Und wenn die Antwort persönlich wäre?
Die Postfilialen antworten mit einem vorgedruckten Brief für alle Kinder – schön, aber eben für alle gleich. Zauberpost macht das andere: der Nikolaus spricht in einer Videobotschaft dein Kind mit Namen an, nennt, was es dieses Jahr erlebt hat, und antwortet auf das, was im Brief stand. Dazu ein gesiegelter Brief auf Papier und ein gravierter Holzanhänger, der das Video am Christbaum wieder abspielt.
So funktioniert’s