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Das Mädchen mit den Schwefelhölzern

Die traurigste und zugleich zarteste Weihnachtsgeschichte der Weltliteratur – behutsam nacherzählt, mit einer Vorlese-Empfehlung für Größere.

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Nach Hans Christian Andersen (1845) · behutsam nacherzählt

Am letzten Abend des Jahres, in bitterer Kälte, ging ein kleines Mädchen durch die Stadt und bot Schwefelhölzchen zum Kauf an – Streichhölzer, wie man heute sagt. Niemand kaufte ihr etwas ab, und nach Hause traute es sich nicht ohne einen einzigen verkauften Bund. In einem Winkel zwischen zwei Häusern kauerte es sich zusammen.

Um die Finger zu wärmen, zündete es ein Hölzchen an – und im warmen Schein sah es auf einmal einen großen Kachelofen vor sich. Das Hölzchen erlosch, der Ofen verschwand. Es zündete das nächste an: Da stand ein festlich gedeckter Tisch mit dampfendem Braten. Beim dritten sah es den schönsten Christbaum voller Lichter, und beim vierten erschien die Großmutter, der einzige Mensch, der je gut zu ihm gewesen war. «Nimm mich mit!», rief das Mädchen und zündete schnell alle Hölzchen auf einmal an, damit die Großmutter nicht verschwand. Und die Großmutter nahm es in die Arme, und beide stiegen im Glanz hinauf, wo keine Kälte mehr ist und keine Angst.

Am Neujahrsmorgen fanden die Leute das Mädchen in seinem Winkel – es war in der Nacht gestorben, die abgebrannten Hölzchen neben sich, und hatte doch ein Lächeln auf dem Gesicht. Niemand aber wusste, wie viel Schönes es gesehen hatte und in welchem Glanz es mit der Großmutter gegangen war.

Für wen diese Geschichte ist

Andersen beschönigt nichts: Das Mädchen stirbt. Darum gehört die Geschichte nicht ins Kleinkind-Vorleseprogramm, sondern zu Kindern ab etwa acht Jahren – und zu einem Erwachsenen, der danach Zeit für ein Gespräch hat. Sie öffnet zwei große Fragen: Warum sieht niemand das Mädchen an? Und wem würde bei uns ein Platz am Tisch guttun? Viele Familien verbinden das Vorlesen mit einer Spende oder einer Einladung – dann bekommt die traurigste Geschichte den sinnvollsten Schluss.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann man die Geschichte vorlesen?

Ab etwa acht Jahren, mit Zeit für ein Gespräch danach. Für kleinere Kinder eignen sich die Sterntaler oder die Wichtelmänner besser.

Warum sollte man Kindern eine so traurige Geschichte erzählen?

Weil sie Mitgefühl weckt wie kaum eine andere. Kinder verstehen darin zum ersten Mal, dass Not oft übersehen wird – und dass Hinsehen und Teilen etwas ändern können.

Und wenn die Antwort persönlich wäre?

Die Postfilialen antworten mit einem vorgedruckten Brief für alle Kinder – schön, aber eben für alle gleich. Zauberpost macht das andere: der Nikolaus spricht in einer Videobotschaft dein Kind mit Namen an, nennt, was es dieses Jahr erlebt hat, und antwortet auf das, was im Brief stand. Dazu ein gesiegelter Brief auf Papier und ein gravierter Holzanhänger, der das Video am Christbaum wieder abspielt.

So funktioniert’s